Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt

Die Geschichte der Donau als Verkehrsweg

Donaustrecke des WSA Donau MDK Donaustrecke des WSA Donau MDK

 

Mittelwasserkorrektion (19. Jahrhundert)

Die Donau wurde seit jeher zum Transport von Waren und Menschen benutzt. Bei der sogenannten „Mittelwasserkorrektion“ ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Fluss mit zahlreichen Durchstichen, dem Bau von Regelungswerken sowie massiven Ufersicherungen begradigt und in ein festes Flussbett gezwungen. Dadurch war die Errichtung eines durchgängigen Hochwasserschutzsystems möglich. Diese Maßnahmen waren im Wesentlichen bis 1870 abgeschlossen, einzelne Projekte wurden allerdings erst nach 1933 fertiggestellt.

Ziele dieser Regulierung waren:

  • Sicherheit vor Hochwasser
  • Reduzierung der Gefahr von Eisversatz
  • Unterbindung von Flussverlagerungen und Seitenschurf
  • Gewinnung von Kulturlandschaft
    sowie als Nebenziel:
  • Verbesserung der Schiffbarkeit


Die Donau östlich von Pfatter mit Altarmen vor der Mittelwasserkorrektion Die Donau östlich von Pfatter mit Altarmen vor der Mittelwasserkorrektion. Foto: Wolf 1978 / WSA Regensburg

 

Niedrigwasserregelung (bis 1969)

Zur Verbesserung der Fahrrinnentiefe für die aufkommende Dampfschifffahrt begannen schon im 19. Jahrhundert nach den Bauarbeiten der Mittelwasserkorrektion erste Maßnahmen zur Niedrigwasserregelung.

Durch Buhnen und Längswerke wird der Abflussquerschnitt eingeengt, um dadurch bei niedrigen Abflüssen größere Tiefen für die Schifffahrt zu erhalten.

Buhnenbau 1965 Buhnenbau 1965 Foto: WSA Regensburg

Im Laufe der Jahrzehnte wurden die Ziele immer wieder angepasst, die letzten Arbeiten zur Regelung der Strecke Straubing – Vilshofen wurden 1969 durchgeführt.

Aufgrund der niedrigen Wasserführung der Donau oberhalb von Passau und der Entwicklung der modernen Binnenschifffahrt wurde zur Garantie festgelegter Wassertiefen bereits 1922 damit begonnen, Staustufen an der bayerischen Donau zu errichten:

 

 

Stauregelung (1922 – 1996)

Im Jahr 2019 existieren 6 Staustufen an der schiffbaren bayerischen Donau von Kelheim bis Jochenstein, darüber hinaus wurden an der Donau oberhalb Kelheim 15 Staustufen zur Energiegewinnung errichtet. Diese gehören allerdings nicht zur Bundeswasserstraße Donau.

Staustufe

Bauzeit

Kachlet1922 - 1927
Jochenstein1952 - 1956
Regensburg1972 - 1978
Bad Abbach1973 - 1978
Geisling1977 - 1986
Straubing1979 - 1996

  

Bau Kachlet 1927 Bau der Staustufe Kachlet. Foto: WSA Regensburg 1927

 

Was ist eine Staustufe?

Eine Staustufe besteht im Wesentlichen aus 3 Bauwerken:

  • Eine Wehranlage zum Aufstau des Wassers (Gewährleistung von Hochwasser- und Eisabfuhr)
  • Ein Kraftwerk zur Erzeugung von Strom (Nutzung der Fallhöhe des Wassers)
  • Eine, ggfs. mehrere, Schleusen (Überwindung der Stauhöhe für Schiffe/Sportboote)

Falls die Höhe des gestauten Wassers an der Stufenstelle über dem Gelände zu liegen kommt, sind zusätzlich Dämme anzuordnen. Die Wasserbauer unterscheiden zwischen Dämmen (dauernd eingestautes Bauwerk) und Deichen (nur bei Hochwasser eingestautes Bauwerk).

Welche Ziele hatte der Ausbau der Donau mit Staustufen?

Verbesserung der Schiffbarkeit(Kachlet, Regensburg, Bad Abbach, Geisling, Straubing)
Stromerzeugung(alle Staustufen, insbesondere Jochenstein)
Hochwasserschutz(Kachlet, Regensburg, Geisling, Straubing)
Gewinnung von Flächen für die Landwirtschaft(Geisling)
Verhinderung weiterer Eintiefung/Erosion(Regensburg, Geisling, Straubing)
Nutzen durch die Baumaßnahmen(Beschäftigung, Verbesserung der Infrastruktur wie Brücken, Ufer etc.; dies betrifft alle Staustufen)
Wasserüberleitung in Gebiete mit geringen Niederschlägen(Franken)

Auf welcher Grundlage wurden die Staustufen errichtet?

Die Weimarer Verfassung bestimmte den Übergang der dem allgemeinen Verkehr dienenden Wasserstraßen in das Eigentum und die Verwaltung des Reiches ab dem 01. April 1921. Bereits am 13. Juni 1921 wurde ein Staatsvertrag („Main-Donau-Staatsvertrag“) zwischen dem Deutschen Reich und Bayern über die Ausführung der Main-Donau-Wasserstraße und den Ausbau der bayerischen Donau geschlossen. Hierzu wurde ein gemischtwirtschaftliches Unternehmen, die Rhein-Main-Donau-Aktiengesellschaft (RMD AG), gegründet und mit dem Bau beauftragt.

Der Vertrag beinhaltet neben der Stauregelung des Mains und dem Bau des Main-Donau-Kanals insbesondere folgende Maßnahmen an der Donau:

  • Bau der Staustufe Kachlet
  • Niedrigwasserregulierung der Strecke Regensburg – Vilshofen (siehe oben)
  • Vorarbeiten für den Ausbau Kelheim – Regensburg

Der Vertrag regelt auch die Finanzierung des Ausbaus: Der RMD AG wurde das Recht zur Wasserkraftnutzung an Main, Regnitz, Altmühl, Donau und Lech eingeräumt. Mit den Erträgen sollte die Wasserstraße gebaut und die notwendigen Kredite getilgt werden. Bis alle Schulden abgetragen sind, werden noch ca. zwei Jahrzehnte ins Land gehen. Die Konzession für diese 60 Wasserkraftwerke endet gemäß Vertrag im Jahr 2050, dann sind sämtliche Anlagen entschädigungslos dem Staat zu übergeben.

 

Bau der Staustufe Geisling Bau der Staustufe Geisling. Foto: Wolf 1981 / WSA Regensburg

 

Der Bau der Staustufen an der schiffbaren bayerischen Donau lässt sich in 5 Phasen gliedern:

Phase I: Staustufe Kachlet (Hauptziel: Schifffahrt)

Phase II: Staustufe Jochenstein (Hauptziel: Stromerzeugung)

Phase III: Staustufen Regensburg und Bad Abbach (Hauptziel: Schifffahrt; Verbindung des Main-Donau-Kanals mit Regensburg)

Phase IV: Staustufen Geisling und Straubing (Hauptziele: Schifffahrt, Hochwasserschutz, Stromerzeugung)

Phase V: Planung des Ausbaus Straubing bis Vilshofen (Hauptziele: Schifffahrt und Hochwasserschutz)

Nach intensiven Untersuchungen und vielfältigen Abwägungen hat die Politik im Jahre 2013 entschieden, den Ausbau der Donau zwischen Straubing und Vilshofen gemäß der Variante A (Niedrigwasserregelung) umzusetzen.

Siehe: https://www.lebensader-donau.de/

 

Schnitt Donau heute Längsschnitt der Bundeswasserstraße Donau heute